Rallye-Report '75 (Signale 1976-1)

AWE-Werksteam im Einsatz (1975)

Gleichsam als „Außendienstler auf internationaler Ebene" eröffnete die AWE-Sportabteilung im vergangenen Jahr ebenfalls ein repräsentatives Erfolgskonto und bereicherte die WARTBURG-Automobilsportbilanz auf schweren Rallyepisten des Kontinents kennzeichnenderweise um neue, buchstäblich erstklassige Resultate.

Technische Arbeitsmittel der Werksequipe, und ausschließlich deren Einsatz steht hier zur Betrachtung an, waren Wagen vom Typ WARTBURG 353 W. Dabei handelte es sich einmal um völlig normale Serientourenwagen der Gruppe 1 ,und zum anderen in der Gruppe 2 um Spezialtourenwagen, also gesondert präparierte Fahrzeuge, deren gesteigerte Motorleistungen z. B. zwischen 80 und 90 PS lagen.

 

Wesentlich problematischer als das Bereit-stellen jener Werkswagen erwies sich, wie schon 1974, die Besetzung dieser Fahrzeuge mit hochqualifizierten Fahrern und Copiloten, um auch auf dem Personalsektor für härteste Anforderungen einigermaßen gewappnet zu sein. Vorweggenommen sei jedoch, daß sich mit Werksfahrer-„As" Culmbacher und Copilot Härtwich schließlich das Spitzenteam auf Gruppe-1-WARTBURG zusammensetzte und Niebergall/Frommann sich in der Gruppe 2 als erfolgreichstes „Spezialgespann" herauskristallisierten. Daneben schlugen sich Nachwuchs-Besatzungen bereits sehr beachtlich, und etliche Erfolge sind Clubfahrerpaaren zu verdanken, die bei einigen Einsätzen sozusagen aus-hilfsweise Werkswagen steuerten.

 

Spätestens jetzt müssen noch ein paar Worte zu den Wettbewerbsverhältnissen überhaupt gesagt werden. Daß Rallyes in Sachen automobiltechnischer Leistungs- und Entwicklungsdemonstration die einstige Rolle der GrandPrix-Rennen übernommen haben und demzufolge prominenteste PKW-Werke ausgeprägtes Erfolgsstreben im Rallyesport an den Tag legen, ist längst kein Geheimnis mehr. Was angesichts solchen Wetteiferns vor allem bei den Europameisterschaftsläufen der „Professionellen" international ausufert, sind Fahrzeugkonzeptionen, die mit dem handelsüblichen Serienfabrikat gleichen Namens zuweilen kaum mehr als das Markenzeichen und Karosseriekonturen gemeinsam haben. An diesem Trend, gefördert durch sehr freizügige Technik-Reglements der FIA, hatte sich 1975 noch nichts geändert. Ebenfalls unverändert gilt, daß die sogenannte Scratch-Wertung bei sämtlichen internationalen Rallyes im Gesamtklassement alle Fahrzeuge gewissermaßen über einen Kamm schert, den 1000er Serientourenwagen genauso wie einen superstarken Spezial-GT der Gruppe 4.

 

 

Doch nun zu dem, wie es 1975 mit und für den WARTBURG lief.

AWE-Werksteam im Einsatz (1975)

Einen ausgezeichneten Auftakt gab es bereits zur internationalen Pneumant-Rallye (DDR). Niebergall/Heitzmann siegten in ihrer Klasse und erzielten den Gesamtsieg, die Besatzung Mielke/Träger wurde gleichfalls Klassensieger vor Culmbacher/Härtwich. Die AWE-Equipe errang in der Mannschaftswertung den Clubpokal für Frieden und Freundschaft.

 

Bei dem EM-Lauf Rallye Jugoslawien, wo auf den schweren 1600 km Paß- und Geröll-strecken von 97 gestarteten Teilnehmern 70 ausfielen, belegten Niebergall/Heitzmann, Culmbacher/Härtwich und Weitz/Frommann in dieser Reihenfolge die Plätze 3 bis 5.

 

Die 2640 km lange Rallye Akropolis (Griechenland) überstanden nur 16 von 106 Startern, auch die WARTBURG-Teams befanden sich unter den Ausgefallenen.

 

Dafür erzielte die WARTBURG-„Gesandtschaft“ zum EM-Lauf Rallye Zlatni piassatzi, Start und Ziel am Goldenen Strand der Schwarzmeerküste, gleich wieder zwei Klassensiege durch Beyer/Carsten und Weitz/Frommann sowie zwei 2. Plätze durch Culmbacher/Härtwich und Niebergall/Heitzmann.

 

Ebenfalls erfolgreich beendete die AWE-Equipe die Taurus-Rallye (Ungarische VR), nämlich mit Klassensieg, 2. und 3. Platz durch Culmbacher/Härtwich, Niebergall/Frommann und Heitzmann/Weltz sowie mit Fabrikmannschaftssieg und 3. Platz in der Nationalmannschaftswertung.

 

Eine Fortsetzung brachte der Klassensieg von Niebergall/Frommann und der 2. Platz von Culmbacher/Härtwich zur Rally 1000 Seen (Finnland), wo auf den 1333 km über Schotterstraßen und mit zahlreichen Sprunghügeln fast die Hälfte der 103 Gestarteten auf der Strecke blieb.

 

Zur Skoda-Rallye (CSSR) gelangten die WARTBURG-Teams Culmbacher/Härtwich und Niebergall Frommannjeweils zu den Klassensiegen.

 

Gleichfalls die beiden Klassensiege erzielten Culmbacher/Härtwich und Beyer/Carsten bei der Rajd Polski, wo übrigens die Ausfallquote 114 : 43 betrug. Die AWE-Mannschaft belegte den 2. Platz bei Fabrikmannschaften.

 

Die Sachsenring-Rallye (DDR) diente der  Sportabteilung des Werkes vorwiegen einer Qualifizierung von Nachwuchskadern.

 

Zu einem regelrechten Straßenrennen über 735 km gestaltete sich die Rallye Tatry (CSSR) mit Start und Ziel in Poprad. Die geforderten Durchschnittsgeschwindigkeiten lagen bei 84 km/h. Abermals wurden die WARTBURG-Serientourenwagen und -Spezialtourenwagen unter Culmbacher/Härtwich und Niebergall/Frommann Klassensieger.

 

Über die Wartburg-Rallye (DDR) haben wir in der vorigen SIGNALE-Ausgabe bereits berichtet. Unsere Leser sind daher über das hervorragende Abschneiden der WARTBURG-Werkswagenequipe informiert. Obenan steht der Sieg in der Wertung zum Pokal der Freundschaft und das Erringen des vom VEB Automobilwerk Eisenach gestifteten Wanderpokals für die beste Fabrikmannschaft der sozialistischen Länder.

 

Zu der anforderungsreichen Rallye Russischer Winter (UdSSR), Start und Ziel in Moskau, gab es noch den 2., 3. und 5. Platz für die drei gestarteten WARTBURG-Teams. Mit diesem Abschluß verteidigte die Eisenacher Werkswagenvertretung auch den Rang in der Länderpokalwertung.

 

UdSSR errang mit 25 Punkten den Pokal der Freundschaft, die höchste Trophäe im Rallyesport der sozialistischen Länder, dahinter folgten mit je 20 Zählern punktgleich die VR Polen, CSSR und die DDR.

 

Statistisch sieht die WARTBURG-Werkswagen-Rallyesportbilanz 1975 so aus, daß aus 12 internationalen Rallyes mit 39 Fahrzeugeinsätzen 1 Gesamtsieg, 14 Klassensiege, 11 zweite und dritte Plätze sowie 1 Sieg als Nationalmannschaft und 3 Fabrikmannschaftssiege zu Buche stehen. (Vergleichsweise gab es 1974 bei 13 Rallyes, davon 10 international, mit 37 WARTBURG-Werkseinsätzen 1 Gesamtsieg und 5 Klassensiege.) Ein ganz kurzes Fazit lautet daher eindeutig: Der WARTBURG 353W bewies im ersten Jahr seiner Serienproduktion auch oder gerade bei großebn Rallyes unter verschärften Wettbewerbsbedingungen sein effektiv erstklassiges Qualitätsniveau - besonders was solche Faktoren anbelangt wie Leistungsvermögen, Fahreigenschaften und Zuverlässigkeit.